Eine Rezension meiner Bilder/A Review:

Sorry! The translation will take some time.

Die renommierte Künstlerin und Schriftstellerin ("LiteLand") Dagmar Oeser hat in der Auseinandersetzung mit meinen Bildern den fogenden Essay verfasst (siehe auch: http://www.kulturpressemeldung.de/pressemeldung/hegoart_eine_rezension-135.html):

„Die Bilder von Heinz Gövert gehören zu denen, an denen ich nicht vorbeigehe, sondern sie entdeckt habe als Bilder, die zu mir sprechen. Unnötig zu sagen, dass ich in ihnen das wahrnehme, was moderne Malerei aus meiner Sicht ausmacht und was ich, als ich sie zum ersten Mal sah, mit „starker Präsenz“ charakterisiert habe: Sie wiederholen nicht Realität, sie schaffen ihre eigene Realität.

Wie der Betrachter einen Zugang zu einem Bild finden muss, so muss auch der Maler einen Einstieg in sein Bild finden. Gövert, der auch Musiker ist, sagt von sich, dass er über das Hören von Blues und Rock’n Roll zur Visualisierung und Aktion gelangt. Dies bleibt, so meine ich, bei seinen Bildern auch spürbar, z. B. in der durch Strukturpaste ‚aufgebrochenen’ Leinwand, im Farbauftrag, der kalkuliert überlagert und durchscheinen lässt, wie auch in der rhythmisierenden, Entgrenzung signalisierenden Gestaltung der Bildfläche. Und -was mir besonders aufgefallen ist: Manche Titel seiner Bilder wie "Time Is Running Out", "Broken Cross" oder "Shelter" könnten ebenso Titel von Rock’n Roll oder Blues-Songs sein. Sie sind knapp und mit hohem Assoziationspotenzial, oder sie machen ironische Anspielungen auf die Entstehungssituation.

Die Titel von Bildern haben auch für den Betrachter Bedeutung. Er kann sich über sie dem Bild nähern, sie können Anlass sein, den Dialog mit dem Bild zu eröffnen: Welche Vorstellungen ruft der Titel bei mir hervor? Der Betrachter kann vergleichen, abgrenzen, kontrastieren.

Die Bilder enthalten häufig geometrische Figuren, in denen der Betrachter Chiffren und Symbole entdecken kann. Die Kreise, Halbkreise, Spiralen und Rechtecke sind eingearbeitet oder überlagern Farbflächen, die teils Kontraste bilden, teils wie fließend ineinander übergehen. In Göverts neueren Arbeiten sind die Farbflächen zum Teil durch schwarze Flächen und Linien begrenzt und durch weiße, sich in den Vordergrund drängende Linien übermalt, die mich an archaische Zeichen erinnern.    

Die Farbpalette, die Gövert verwendet, ist kaum einzugrenzen: Pastellfarben und erdige Abstufungen kommen vor, doch soweit ich seine Arbeiten kenne, sind Rot und Blau - häufig ineinander übergehend - dominierend. Grundsätzlich kann man die Farben, entstanden durch Mischungen und Schichtungen, am ehesten als ‚ein Dazwischen’ charakterisieren, allerdings ohne dass sie indifferent sind. Es sind keine leuchtenden, aber kräftige Farben, am ehesten von einer Qualität, wie wir sie an einem Sommerabend bei Eintritt der Dämmerung wahrnehmen: Über ihrer Intensität liegt ein Schatten.

Diese rätselhafte Farbigkeit  irritiert den Betrachter, fordert die weitere Auseinandersetzung. Doch die wird gleichzeitig auch abgewehrt. EineWirkung, die, wie ich vermute, zunächst aus der Art des Farbauftrags entsteht. Der Farbauftrag ist dicht, deswegen und auch infolge des für Göverts Bilder typischen glänzenden Firnisses wirkt er geradezu undurchdringbar. So stellen sich Göverts Bilder dem Betrachter wie ein Hindernis entgegen.


Bilder sprechen mehr als tausend Worte. Für mich sprechen Göverts Bilder wie aus einer anderen Welt: Rau, etwas mystisch und voller Energie.“
-----------------------------------------------------------------------------

Hegos neue Bilder 

(Dagmar Oeser, September 2009)
 
"Als ich Hegos etwa seit Ende April 2009 gemalten Bilder sah, war mein erster Gedanke: „Die sind ja völlig neu!“ Ich fragte mich, in welchen Fällen und unter welchen Bedingungen ich im Bereich der Kunst mit dem Begriff „neu“ operiere - nämlich dann, wenn ich keinen Konventions- oder Traditionsanschluss erkenne, kein Zitieren des eigenen Werkes, sondern das Abrupte und Überraschende bestimmendes Wahrnehmungselement ist. Ein extremes Beispiel für den Traditions- und Konventionsbruch ist in der Kunstgeschichte das Urinal von Marcel Duchamp, dem er den Titel „Fontäne“ gab — und damit sich, seine Kunst und Kunst ganz grundsätzlich in Frage stellte, ironisch und doch sehr, sehr ernst.

Wie gesagt, das ist ein extremes Beispiel, doch in den neuen Arbeiten Hegos ist - im Vergleich zu seinem früheren Werk - ohne Zweifel auch ein abrupter Bruch und damit ein Infragestellen des Vorangegangenen zu erkennen.

Festzumachen ist das zunächst an den Farben: In den früheren Arbeiten dominieren meist warme, erdige Mischfarben mit melancholischen Anklängen. Hego, der Schlagzeuger in einer R&B-Band war, bevor er mit der Malerei begann, brachte sich so den Blues zurück.

Mit diesen Farben schuf er Räume, die eine von Menschen wenig gestaltete Natur assoziieren lassen, und archaisch anmutende Zeichnungen von Menschen und Tieren.

Von dunklen, erdigen Farben und von Anklängen einer figurativen Malerei ist in den neuen Arbeiten nicht die Spur. Ins Auge fällt vielmehr das Schrille und Künstliche der Farbgebung, die Heftigkeit der Kontraste und das Fehlen von Farbabstufungen. Mit diesen Farben macht es Hego den Betrachtenden nicht leicht, die Bilder auf sich wirken zu lassen, sich in ihnen zu versenken und Assoziationen zu entwickeln, wie das zuvor häufig der Fall war. Eher geht von ihnen eine Zurückweisung aus, eine Abschreckung — wie von einem zu grellen Licht. Wenn noch Räume assoziiert werden können, dann ist es die in (Neon-)Lichtflecke zerfallende nächtliche Großstadt.

Der Eindruck des „Sich-Ungemütlich-Fühlens“, hervorgerufen durch die Farben, wird verstärkt durch die Bildkomposition — die eigentlich keine ist. Vielmehr wirken die Bilder wie Ausschnitte, beliebig gewählt aus einem größeren Ganzen. Sie scheinen einen Teil eines Prozesses zu zeigen, der willkürlich beginnt und willkürlich endet. Dem entspricht die Strichführung, die aggressiv und ungefällig wirkt. Aktion, Zufälligkeit und der Anspruch im Prozess des Malens spontan und authentisch zu sein und den Moment dauerhaft zu machen, erscheinen als Thema und Ziel der Arbeiten.

Was ist passiert?

Zu Beginn des Jahres erkrankte Hego lebensbedrohlich und fing, kaum aus dem Krankenhaus entlassen, wieder mit der Malerei ein. So entstanden an die zwanzig Bilder verschiedener Formate mit Titeln, die signalisieren, dass tatsächlich etwas passiert ist: „Remember“ z.B. oder „Screaming“ und „In the Middle of Nowhere“.

Es gibt wohl diesen „inner drive“ des Künstlers, dass nach außen gebracht werden muss, was innen geschieht. Gefühle müssen ‚ausgedrückt‘ werden wie Farbe aus einer Tube.

Wenn ich hier Hegos Krankheit in Verbindung mit seiner Kunst erwähne, so will ich keineswegs einen schlichten ursächlichen Zusammenhang herstellen. Denn sich, sein inneres Geschehen nur auszudrücken, das ist Therapie, nicht Kunst. Kunst ist es dann, wenn das innere Geschehen bewusst reflektiert ist und Teil der Kommunikation zwischen Bild und Betrachter wird. Teil einer Kommunikation, die auf Konventionen, gemeinsamer Sprache und anderen Zeichensystemen beruht, kann allerdings auch die Abwendung von ihr sein — und dies hat Hego in eine ganz eigene „neue“ Bildsprache umgesetzt."